Der Samichlaus war im Dorf!



Dieses Jahr findet aufgrund Covid-19 kein Chlauseinzug statt.


Der Urchlaus und seine Schmutzlis haben sich sehr über den herzlichen Empfang im Dorf gefreut. Das Leuchten der Kinderaugen und die vorweihnächtliche Stimmung erfüllten uns mit grosser Freude. Wir wünschen allen eine gute Zeit und freuen uns bereits wieder auf den Besuch im nächsten Jahr bei euch im Dorf.

 

 

Wie versprochen, findet ihr auf dieser Seite die erzählte Geschichte vom Chlauseinzug.

 

Die Geschichte vom Urchlaus 2019

Die Geschichte über St. Nikolaus


Es war einmal vor langer Zeit, da lebte in der reichen Stadt Patara (ehem. Lykien, heute Türkei) ein Knabe, der Nikolaus genannt wurde. Die Eltern von Nikolaus verstarben frühzeitig fast zeitgleich an einer bösen Krankheit, dadurch weinte Nikolaus Tag und Nacht. Nikolaus erbte großen Reichtum: Gold, Silber, Edelsteine, Schlösser, Paläste und Ländereien und auch viele Untertanen, die sich um ihn kümmerten.

Auch Schafe, Pferde, Esel und noch ein paar andere Tiere gehörten ihm. Nikolaus war trotzdem sehr traurig und konnte sich über seinen Reichtum nicht freuen. Deshalb wollten ihn seine Angestellten aufmuntern. Der Hofmeister anerbot sich, ihm seine Schlösser zu zeigen.
Der Stallmeister wollte mit Nikolaus auf den schönsten Pferden durch die Ländereien reiten. Der Küchenmeister meinte, er könne doch für alle reichen Kinder der Stadt ein köstliches Essen zubereiten.
Doch Nikolaus wollte von allem nichts wissen, seine Traurigkeit wurde immer schlimmer bis auch seine Tiere deutlich spürten, dass er unendlich traurig war. Sie drängten sich zu ihm. Vom Weinen müde geworden, wollte er sich schlafen legen. Ungeschickt stieß er mit dem Fuß an einen Tonkrug, in dem viele Schriftrollen steckten. Der Krug zerbrach, die Schriftrollen verteilten sich am glänzenden Boden. Nikolaus ergriff eine der Schriftrollen und begann zu lesen. "Da war ein reicher Mann, der lebte herrlich und in Freuden. Da war aber auch ein Armer, der lag hungernd vor seiner Tür und wollte nur Brosamen die den Reichen vom Tische fielen. Doch diese gönnten die Reichen dem Armen nicht. Als der Arme starb wurde er von den Engeln in den Himmel getragen. Auch der Reiche starb. Doch es kamen keine Engel, ihn zu holen".

Gleiche ich nicht dem reichen Mann in der Geschichte, dachte sich Nikolaus.
Schön bin ich gekleidet, lebe mein Leben in Saus und Braus.
Die Bettler draußen beim Stadttor sehe ich mit meinen Augen nicht.
Morgen werde ich mein Leben ändern. So will ich früh aufstehen und mich nach ihnen umsehen. Am Morgen schlich sich Nikolaus zum Palast hinaus. Nach dem Stadttor fand er die Ärmsten der Stadt, zerlumpt, krank und elend. Als sie Nikolaus erblickten, streckten sie die Hände entgegen. Nikolaus wollte in die Tasche greifen, doch an seinem bestickten Kleide gab es keine Taschen.
Flink löste er die seine schwere Goldkette vom Hals, zog sich den Ring vom Finger und gab ihnen den wertvollen Schmuck. Danach schlüpfte Nikolaus aus dem Obergewand, dem bunten Rock, den Sandalen und verschenkte auch noch seine Kleidung. Warm wurde Niklaus ums Herz. Glücklich ging er nach Hause.
Er war nun wieder fröhlich.
Am nächsten Tag beauftragte Nikolaus seinen Hofschneider mit der Aufgabe, auf seine Kleider große Taschen aufzunähen. Vergnügt schlüpfte er in seinen, weiten, roten Mantel und spazierte am Abend durch den Garten. Er füllte seine Taschen mit Nüssen, Äpfel und Mandarinen. Erneut schlich er sich aus dem Palast, ging zu den Armen und verteilte alles.
So beschenkte Nikolaus nun fast jeden Tag die Armen der Stadt und vorbei war seine lang andauernde Traurigkeit.

Die Geschichte vom Urchlaus 2018

Am Samichlaus sini Lieblings-Kerze

 

 

Einisch gäge Abig sind de Schmutzli und ich am Stubetisch gsässe. Wo’s dusse langsam dunkel worde isch, hämer gmerkt, dass mir nur na ei einzigi Cherze hend! Und das isch usgrächnet mini Lieblings-Cherze gsi: Es selbergmachts Gschänk, mit farbige Figure schön verziert. Sogar min rote Huet isch abbildet gsi!

«Was sölled mer au mache? Mini Lieblings-Cherze azünde oder im Dunkle sitze?», han ich de Schmutzli gfröget. Im dunkle Waldhüsli wär’s ja gar nöd gmüetlich gsi. Und villicht wäred mer denn sogar na im Dunkle uf d’Nase gfloge! Stelled eu vor, ich het denn s’Bei broche und het nöd chöne zu eu cho! Also isch mir nüt anders übrig bliebe als es Zündhölzli z’neh.

 

Scho fascht hani de Docht azündet gha, het mich de Schmutzli am Arm packt: «Samichlaus wart! Wotsch das würkli mache? Lueg, wenn du sie jetzt azündisch, häsch sie bald nümme und bisch truurig!» Ich han de Schmutzli aglueged und s’Zündhölzli usblase: «Hesch Rächt, Schmutzli, es wär schad um mini Lieblings-Cherze. Handkehrum hättis mich scho wunder gno, ob sones einzigartigs Cherzli au es bsundrigs Liecht git!»

 

Ich han den s’Cherzli denn glich mit schwerem Härze azündet.

Ihre bsundrigi Schii hät mich beiidruckt und ich han’s richtig gnosse! Sie isch zwar vo Minute zu Minute chliner worde, aber ich han gspürt, dass ich s’Richtige gmacht han. Tüf i Gedanke versunke, hani verpasst, dass sich de nachdänklich Schmutzli heimlich us em Waldhüsli gschliche het.

 

Im Mondliecht isch er mit em Eseli zum Waldrand gloffe. Det wohnt en älteri Frau, wo ihres Purehus i de Adventsziit immer wunderschön dekoriert und Cherzekürs git. «Sie chamer sicher hälfe, sone Cherze naaz’mache!», hät de Schmutzli dänkt. Er chlopft aa und verzellt de Frau ufgregt sini Sorg und sie meint: «Chum ine, Schmutzli, ich bin grad am Cherzeverziere mit Chind und Eltere. Mach doch mit!» D’Chind händ em Schmutzli begeischteret zueglueged, sodass am Schluss alli zäme wissi Cherze verziert händ.

 

Woner fertig gsi isch, hät er zügig hei welä. Vor luuter Pressierä ischer über s’Eseli gstolperet, wo dusse umegläge isch, und d’Cherze gheit am Bode. Und de Schmutzli hät gschumpfe: «Du blöde Esel, muesch usgrächned vor de Türe ligge?» S’Eseli isch verschrocke, ufgsprunge und – poing! – au no uf d’Cherze gstande. De Schmutzli het hoffnigslos gjammeret: «Jetzt het de Samichlaus endgültig kei Lieblings-Cherze meh!»

 

Wägem Lärm sind d’Chind use go luege was passiert isch. En Bueb hät denn Mitleid gha und gseit: «Schmutzli, ich gibe dir mini Cherze für de Samichlaus. Ich chan ja denn nomal e neui mache.» De Schmutzli hät gstuunet: «Sooo lieb, danke vielmal!» Und no wiiteri Chind händ em ihri Cherze id Hand druckt. Und sogar die alt Frau hät naaghulfe. Plötzlich hät de Schmutzli en ganze Sack volle verzierti Cherze gha. Überglücklich hät er en em Eseli uf de Rugge bunde und isch zrugg zum Waldhüsli.

 

Chum isch de Schmutzli id Stube trampet, hani scho welä wüsse woner so lang gsi isch! Stolz hät er ei Cherze nach de andere us de täsche zauberet. Und de Schmutzli hät gseit: «Dini Lieblings-Cherze isch zwar glii abebrennt, Samichlaus, aber: Es gaht wiiter! Jetzt chasch jede Tag sone Lieblings-Cherze azünde!»

Ich han em Schmutzli tüf i d’Auge glueged und gseit: «Dini Cherzli sind schön. Aber mini Lieblings-Cherze gaht bald us und laht sich dur kei anderi eifach so ersetze. Ich bhalte sie im Herzä und wirde sie nüme vergässe! Dini Cherzli sölet aber a sie erinnere und mini Fröid, schöns Liecht und Wärmi wiitergeh!

Die Geschichte vom Urchlaus 2017

De Samichlaus hät de Pfnüsel

 

 

De Samichlaus isch ganz verzwiiflet gsi. Er hät de Pfnüsel gha. Und nöd nur de Pfnüsel, sondern au no Fieber und en ganz en schlimme Hueschte. Das wär ja alles nöd so schlimm gsi, wänn grad Oschtere oder Pfingschte gsi wär. Aber es isch aafangs Dezember gsi und d‘Chlauseziit hät aagfange.

 

De Chlaus hetti eigentlich schüüli vil z’tue gha. Grittibänze bache, Gschänkli verpacke, sis goldige Buech nachefüehre, en Huufe verschideni Säck abfülle und s’Eseli für de Städtlibsuech vorbereite.

So aber hät de Chlaus gar nüt chöne mache. Er hät gschnudderet und ghueschtet und hät di ganz Ziit müesse nüüsse. Es isch em nüt anders übrig blibe, als de ganz Tag schlapp im Bett z’ligge. Sini Schmutzli händ zwar di wichtigschte Arbete chöne erledige, aber me hät halt eifach gmerkt, dass zwei Händ fähled. Usserdem isch de sächsti Dezember immer nöcher cho und me hät sich langsam müesse fröge, wie de Chlaus i sim Zuestand überhaupt hät welle go d‘Chind bsueche.

Am Abig vor em sächste Dezember hät de Chlaus sine Schmutzli grüeft. De Chlaus isch mit Zipfelchappe, Wulledecki und ere grosse rote Bettfläsche uf em Ofebänkli gsässe, sini drü Schmutzli händ am Tisch Platz gno.

De ältischt Schmutzli, de Rolf, hät de Chopf gschüttlet. «Mit dim Pfnüsel chasch du morn abig unmöglich is Städtli gah. Stecksch ja no alli aa. Ich glaub, mir müend das Jahr de Samichlaus uusfalle lah.»

«Chunnt nöd in Frag!» hät de Samichlaus grüeft und grad müesse hueschte. «Ich gange au das Jahr zu de Chind, schliesslich planged sie doch immer schampar uf de Samichlaus.»

De zweitältischt Schmutzli, de Ralf, hät en andere Vorschlag gha: «Villicht chönnted mir ja alli Säckli uf en Schlitte lade und eifach uf de Dorfplatz stelle. D’Chind chönd sich dänn sälber bediene und ihri Gschänkli abhole.»

Aber de Chlaus hät au da de Chopf gschüttlet. «Das isch unmöglich, schliesslich gahts nöd nume um d’Gschänkli, wänn de Samichlaus chunnt. Ich muess doch de Chind au us em goldige Buech verzelle und mit ihne schwätze.»

I de Stube isch es still worde, alli sind ganz niedergschlage gsii. Da isch plötzlich de Ruedi, de jüngscht Schmutzli ufgschtande und hät ganz verschmitzt gseit: «Ich glaub, ich weiss, was dich bis morn wieder gsund macht, Samichlaus.»

Und scho isch er i sis chliine Zimmer gange und me hät ihn irgend öppis under sim Bett nuusche ghört. En Augeblick spöter isch er wieder id Stube cho. Alli händ ihn ganz gspannt aglueget.

I sine Händ hät de Ruedi es grosses, farbigs Buech gha. «Lueg, Samichlaus, ich han di letschte Jahr alli Briefe, Gedichtli und Zeichnige gsammlet, wo dir d’Chind gschänkt händ. Es isch scho es rächt dicks Buech drus worde. Ich bin mir sicher, wänn du hüt vor em is Bett gah echli i dem Buech blättere tuesch und dich a all die schöne Bsüech bi de Familie zrugg erinnerisch, dänn wirsch du weidli wieder gsund.»

De Samichlaus hät s’Buech zu sich uf d’Chnüü gna und hät aagfange drinne schneugge. Da sind ganz en huufe schöni Erinnerige ufe cho.

Er isch a säbem Abig no lang uf em Ofebänkli gsässe und hät i däm Buech gläse. Und mit jedere Zeichnig, wo er aaglueget hät, mit jedem Briefli, wo er gläse hät, isch’s ihm chli besser gange. Irgendwänn isch er dänn iigschlafe und er hät vo all dene Familiebsüech träumt.

Und tatsächlich, am nöchschte Morge isch de Samichlaus wieder purlimunter gsi. Als ob nüt gsi wär, isch er uufgstande und hät mit sine Schmutzli de Abig vorbereitet.

Bim Iidunkle sind si dänn loszoge, zum i de Dörfer und Städtli alli Familie z’bsueche. De Chlaus isch gsund und buschper gsii. Die schöne Erinnerige und d’Vorfreud uf d’Familiebsüech händ em Chlaus sin Pfnüsel über Nacht eifach vergah lah.